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MOMUS

Das Multitasking-Massaker: Wie man 10 Dinge gleichzeitig zu 0 % erledigt

Konzentration ist etwas für Spezialisten – wir setzen auf die totale Zerstreuung. Warum es sich so produktiv anfühlt, zwischen E-Mails, Katzenvideos und dem Kochen von Nudeln hin- und herzuhetzen, während am Ende nur die Küche brennt und der Kopf raucht.

Das Multitasking-Massaker: Wie man 10 Dinge gleichzeitig zu 0 % erledigt

Haben Sie heute schon einmal versucht, nur eine Sache zu tun? Vielleicht nur ein Buch zu lesen, ohne alle drei Seiten auf das Handy zu schauen? Ein gruseliger Gedanke, nicht wahr? Diese fast schon klösterliche Stille, die entsteht, wenn man sich nur einer Aufgabe widmet, ist für den modernen Schweinehund kaum auszuhalten. Wir leben im Zeitalter des Multitasking – der Kunst, die eigene Aufmerksamkeit so fein zu zerhäckseln, dass sie durch jedes Sieb fällt.

Wir lieben das Gefühl, ein „Macher“ zu sein. Wir sitzen im Zoom-Call, tippen gleichzeitig eine WhatsApp-Nachricht, scrollen mit der anderen Hand durch einen Newsfeed und rühren nebenbei in einem Kaffee, der eigentlich schon seit einer Stunde kalt ist. Es fühlt sich nach Hochleistung an. Es fühlt sich an wie ein Orchester, bei dem wir der Dirigent sind. In Wahrheit ist es eher ein Orchester, bei dem jeder Musiker ein anderes Stück spielt und der Dirigent gerade versucht, sich gleichzeitig die Schuhe zu binden.

Die Psychologie dahinter ist brillant: Multitasking ist die perfekte Ausrede, um nie wirklich tief in ein Thema eintauchen zu müssen. Tiefgang erfordert Anstrengung. Er erfordert, dass man sich mit Problemen konfrontiert, die man nicht in 280 Zeichen lösen kann. Beim Multitasking hingegen bleiben wir an der glitzernden Oberfläche. Wir springen von Reiz zu Reiz wie ein hyperaktives Eichhörnchen auf Espresso.

Das Beste daran ist der „Erledigungs-Rausch“. Jede gewechselte App, jeder gelesene Teilsatz gibt uns das Gefühl, wahnsinnig beschäftigt zu sein. Dass wir am Ende des Tages zwar erschöpft sind, aber absolut nichts Substanzielles vorzuweisen haben, ignorieren wir gekonnt. Wir haben die Qualität der Quantität geopfert und feiern das Chaos als „modernen Lifestyle“. Warum ein Ziel erreichen, wenn man auf dem Weg dorthin tausend andere Dinge anfangen kann?

Die positive Motivation am Ende mit medizinischer/technischer Erklärung Fühlt sich dein Kopf gerade an wie ein Browser mit 47 offenen Tabs, von denen in einem Musik läuft, aber du weißt nicht in welchem? Willkommen im Context Switching.

Medizinisch gesehen ist das menschliche Gehirn gar nicht zum Multitasking fähig. Was wir tun, ist eigentlich Serial Tasking – wir schalten extrem schnell zwischen Aufgaben hin und her. Jedes Mal, wenn du den Fokus wechselst, zahlt dein Gehirn eine „Wechselgebühr“ (Switching Cost). Das Gehirn muss die alte Aufgabe aus dem Arbeitsspeicher werfen und die neue laden. Das kostet enorm viel Glukose und Sauerstoff.

Studien zeigen, dass Multitasking den IQ temporär um bis zu 10 Punkte senken kann – das ist mehr als nach dem Konsum von Marihuana. Zudem schüttet das Gehirn bei jedem Reizwechsel Cortisol (Stresshormon) aus, was dich langfristig ausbrennt. Dein präfrontaler Kortex, der für logisches Planen zuständig ist, wird durch das ständige Dopaminfeuerwerk der neuen Reize regelrecht „gekapert“. Du verlierst die Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.

Die gute Nachricht: Du kannst dein Gehirn zurückerobern! Die Lösung heißt Deep Work oder „Singletasking“. Wenn du dich nur einer Sache widmest, gerätst du in den sogenannten Flow-Zustand. Dein Gehirn arbeitet dann hocheffizient, der Stresspegel sinkt und die Qualität deiner Arbeit (und deines Lebens) steigt massiv. Fang klein an: 20 Minuten Fokus, Handy im Flugmodus. Dein Gehirn wird aufatmen, als hättest du gerade einen riesigen Müllberg vor der Tür entsorgt.

Hinweis:

Dieser Gesundheitsartikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Beschwerden, Medikamenten oder Vorerkrankungen bitte fachlichen Rat einholen.